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Die Informationsflut macht vergesslich
Brain-Train
Wissen Sie noch, was in der Morgenzeitung stand? Sicher nicht in allen Einzelheiten. Und sicher haben Sie auch Wichtiges vergessen, obwohl Sie es behalten wollten.
Wenn Sie Ihre bisherigen Gewohnheiten Revue passieren lassen, wie Sie Informationen aufnehmen werden Sie folgendes bemerken: Noch waehrend des Lesens geht Ihnen ploetzlich durch
den Kopf, dass irgend etwas im Text nicht logisch scheint. Jedenfalls haben Sie ihn nicht vollstaendig verstanden oder wollen sichergehen, ihn richtig verstanden zu haben.
In einem Gespraech würden Sie Ihren Gespraechspartner dann unterbrechen, beim Lesen dagegen kehren Sie zurueck zum Beginn der Seite oder des Absatzes des Textes, den Sie nicht
verstanden hatten. Die Rueckkehr zum gelesenen Text kostet nicht nur Zeit, sondern hat noch viel schwerwiegendere Nachteile für unser Erinnerungsvermoegen.
Unser Gedaechtnis besteht (vergroebert gesehen) aus drei Bereichen: dem Ultra-Kurzzeitgedaechtnis, dem Kurzzeitgedaechtnis und dem Langzeitgedaechtnis. Alle Informationen wandern
in unser Ultra-Kurzeitgedaechtnis. Nur ein kleiner Teil dessen wandert weiter in den Puffer des Kurzzeitgedaechtnisses. Dort wird es gebraucht, weil Sie entweder drueber nachdenken oder es innerhalb eines Gespraechs
verwenden wollen.
Der andere Teil dagegen wird “vergessen”. Sicher ist es Ihnen schon passiert. dass Ihr Gespraechspartner soeben etwas gehoert oder gesehen hat, was Sie ueberhaupt nicht
wahrgenommen haben oder sich nicht mehr daran erinnern koennen. Dann ist es schon auf dem Wege zum Kurzzeitgedaechtnis in den “Papierkorb” geraten.
Am Interessantesten ist fuer uns das Kurzzeitgedaechtnis, weil wir permanent und unbewußt damit arbeiten. Es teilt sich auf in den Puffer und den Warteraum als Arbeitsspeicher.
Im Puffer sammeln sich Teile der anscheinend interessanten Informationen und Eindruecke aus dem Ultra-Kurzzeitgedaechtnis. Diese Informationen und Eindruecke stehen Ihnen zur Verfuegung, darueber nachzudenken oder
darueber zu reden. In den Arbeitsspeicher Ihres Gedaechtnisses koennen Sie auch Informationen aus dem Langzeitgedaechtniss wieder zurueckholen.
Das Langzeitgedaechtnis hat die Aufgabe Informationen und Wahrnehmungen ueber laengere Zeitraeume zu behalten. Es gibt die gespeicherten Daten bei Bedarf wieder in den
Arbeitsspeicher des Kurzzeitgedaechtnisses ab.
Unser Gedaechtnis ist aktuell
Nun haben Ultra-Kurzzeitgedaechtnis und der Puffer des Kurzzeitgedaechtnisses nur eine beschraenkte Kapazitaet. Immer, wenn wir und für etwas ganz besonders interessieren,
erkennt auch unser Gedaechtnis die besondere Bedeutung. Da der Platz in Ultra- und Kurzzeitspeicher beschraenkt ist, müssen vorher gespeicherte Informationen schnell verschwinden, um Platz für Neues zu schaffen.
Dann wirft unser Gedaechtnis den weitaus groessten Teil der bisher aufgenommenen Informationen in den “Vergessenspapierkorb” und wir konzentrieren uns auf das Aktuelle.
Das bedeutet auch, dass beim Lesen die zuletzt gelesenen Saetze besondere Bedeutung erlangen und gleichzeitig vorher erlangte Informationen und Eindruecke vergessen werden.
Der Gedaechtnisfalle entgehen
Beim Lesen nennen wir das Zurueckgehen im Text, um nicht verstandene Passagen erneut zu lesen: Regression. Wir unterscheiden die bewusste Regression und die unbewusste
Regression. Die bewusste Regression machen wir immer dann, wenn wir bei normaler Lesegeschwindigkeit und schwierigem Text etwas nicht verstanden haben. Deshalb ist die bewusste Regression eine erwuenschte und
notwendige Handlung. Dagegen ist die Ursache für eine unbewusste Regression in der Regel fehlende Konzentration. Meist ueberlesen wir für das Verstehen und die Logik des Textes Wichtiges, was uns bei voelliger
Konzentration nicht geschehen waere.
Regressionen zielen also auf das bessere Textverstaendnis. Dennoch haben sie wie teilweise auch bei Gespraechen zwei Nachteile: Der bis zum Zurueckgehen gelesene Text wird mit
der Regression vergessen; Regressionen machen leseunlustig und muede. Schon bei leichten Texten oder eigener Unkonzentriertheit haeufen sich in der Regel Regressionen. Bei jeder Regression haben wir dann mehr
Schwierigkeiten den Text in seiner ganzen Länge zu erfassen und Verbindungen zu vorher gelesenem zu ziehen. Auch das Ueberpruefen des Textes auf Richtigkeit macht mehr Muehe. Die Folge ist, das wir die
Lust an dem gelesenen Text verlieren und ihn beiseite legen.
Vier Tipps fuer “gute” Leser
1. Machen Sie nach jedem Absatz eine Pause und rekapitulieren Sie dann das Gelesene.
2. Lesen Sie bewusst schneller. Dann koennen Sie sich besser konzentrieren.
3. Schalten Sie bewusst unnoetige Stoerungen aus.
4. Sinnvoller ist es, die Hochs im Tageszyklus für wichtige Lektuere zu verwenden.
Wenn Sie sehr langsam lesen, wird das Textverstaendnis gering sein. Denn Sie schweifen um so leichter mit Ihren Gedanken ab, je laenger Sie lesen.
Mit zunehmender Lesegeschwindigkeit verstehen Sie den Text eher und behalten ihn besser und laenger im Gedaechtnis. Es ergibt sich eine optimale Geschwindigkeit für das Lesen und
Verstehen eines Textes. Diese optimale Geschwindigkeit liegt immer im Bereich der sinnvollen Lesegeschwindigkeit und ist sicher erheblich schneller, als Sie jetzt lesen.
Wenn sie Ihre Lesegeschwindigkeit weiter steigern, ueberfliegen Sie Ihren Text nur noch. Moeglicherweise wenden Sie diese Technik jetzt schon an. Insbesondere beim Ueberfliegen
eines Fachartikels erscheint diese Technik sinnvoll. Sie stellen damit leicht fest, inwieweit fuer Sie Neuigkeiten in diesem Artikel vorkommen.
Obgleich es paradox klinkt: Es ist sinnvoller, die Geschwindigkeit sofort noch mehr zu steigern. Suchen Sie bestimmte Informationen oder Teile Ihres Textes. Und zwar
mit noch weiter erhoehter Geschwindigkeit.
Nachdem Sie bestimmte Begriffe oder Textteile gefunden haben, verringern Sie Ihre Lesegeschwindigkeit erheblich und lesen diese Textteile jetzt mit der sinnvollen Geschwindigkeit
fuer verstehendes Lesen. Dann koennen Sie die für Sie interessanten und wichtigen Textteile noch waehrend des Lesens gut durchdenken und gut behalten.
Wenn Sie die Lesegeschwindigkeit an die Bedeutung des Textes anpassen, dann ist das Lesen effektiv. Das ist aber leichter gesagt als getan. Denn wie oft erleben wir, dass wir uns
erst nach dem Lesen des Textes Gedanken machen und dann wieder zum Anfang des interessanten Textteils zurückgehen. Wir sind also daran gehindert worden, die Geschwindigkeit von vornherein dem Ziel des Lesens
anzupassen.
Um das Leseziel erkennen zu können, brauchen wir uns nur verschiedene Leseziele zu verdeutlichen und sie zu unterscheiden. Beim geniessenden Lesen macht es Spass, den Text mit
seinen Feinheiten, Wortspielen oder aber auch Gedichte zu lesen. Es macht auch Spass sich den zuletzt gelesenen Satz erneut auf der Zunge zergehen zu lassen. Auch das geniessende Lesen ist eine Art verstehendes
Lesen, geht aber sehr viel langsamer vor sich. Gerade deswegen ist das geniessende Lesen in der Arbeitswelt nicht sinnvoll.
Beim verstehenden Lesen unterscheiden wir die eher sinnlose und die eher sinnvolle Geschwindigkeit. Die meisten Leute lesen rund 150 Woerter pro Minute schnell. Jeder kann
spielend das Doppelte und mehr erreichen - bei gleich gutem oder besserem Textverstaendnis. Diese interessante Steigerung des verstehenden Lesens laesst sich mit herkoemmlichen Methoden und ohne Anleitung leider nur
aeusserst schwer erreichen.
Die Erweiterung der Blickspanne
Um mit einer sinnvollen und schnellen Geschwindigkeit verstehend lesen zu koennen, ist die Erweiterung der Blickspanne unseres Auges enorm wichtig. Das gilt um so mehr fuer das
suchende Lesen. Ihre eigene Blickspanne koennen Sie mit einem kleinen Experiment selbst erkennen.
Lesen Sie einen ueblichen Text und versuchen Sie dabei zu erkennen, in welcher Form sich Ihre Augen bewegen. Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass Sie mit den Augen den
einzelnen Woertern folgen. Ihre Augen machen Bewegungen von links nach rechts und folgen dem Text. Moeglicherweise bewegen Sie auch den Kopf waehrend des Lesens mit oder formen gedanklich die Worte nach. All das
traegt nicht zum besseren Verstehen des Textes bei, sondern verringert nur die Lesegeschwindigkeit.
Die meisten Menschen haben eine Blickspanne von etwa einem Grad. Das entspricht bei normalem Leseabstand ungefaehr einem Zentimeter. Steigerungsfaehig ist die Blickspanne aber
auf zwoelf Grad und mehr. Das entspricht mindestens acht Zentimeter. So koennen Sie mit einem Blick sehr viel mehr Informationen erfassen. Um das zu verdeutlichen, hier ein Beispiel aus der Computerwelt.
Bit oder Byte ?
Die Informationsverarbeitung unserer Augen und des Gehirns ist für unsere Begriffe unermesslich. Unser herkoemmliches Lesen ist
vergleichbar mit der seriellen Schnittstelle eines Computers. Die serielle Schnittstelle gibt Bit für Bit nacheinander an den Drucker weiter. Genauso, wie unser Auge Wort für Wort nacheinander an unser Gehirn weitergibt. Dagegen kann die parallele Schnittstelle des Computers 8 Bit = 1 Byte zur gleichen Zeit weitergeben. Jede Datenuebertragung funktioniert also achtmal so schnell.
Auf den Menschen uebertragen heißt das, dass, wenn Sie Ihre Blickspanne erweitern, ebenfalls mehrere Woerter zur gleichen Zeit aufnehmen und an Ihr Gehirn zur Verarbeitung
weitergeben. Ihr Gehirn schafft diese Informationserweiterung spielend. Sie brauchen sich nur gezielt darin zu schulen, Ihre Blickspanne zu erweitern.
16. Dezember 2003 Nachtrag:
Wie gut unser Gehirn funktioniert zeigt folgende Studie: Nach einer Studie der Cmabridge Uinervtistaet ist es egal, in wlehcer Riehenfloge die Bcuhstbaen in eneim Wrot sethen,
Huaptschae der esrte und ltzete Bcuhstbae snid an der rhcitgien Setlle. Der Rset knan ttoaels Druchenianedr sien, und man knan es torztedm onhe Porbelme lseen. wiel das mneschilhce Gherin nhcit jdeen Bcuhstbaen
enizlen leist snodren das Wrot als Gnazes.
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